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AG Ellenberg

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2000.de

Zusammenfassung der Tagung „Naturschutz in der ländlichen Regionalentwicklung“, 24./25. November 2000, Geographisches Institut der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB)

Protokoll: Rafael Benz

Am 24./25. November 2000 veranstaltete die „Arbeitsgruppe Ellenberg“ am Geographischen Institut die Tagung „Naturschutz in der ländlichen Regionalentwicklung“. Am ersten Tag erläuterten elf Referenten aus unterschiedlichen Perspektiven Konzepte und Probleme im Naturschutz mit Verbindung zur ländlichen Regionalentwicklung. Das Hauptaugenmerk der Referenten richtete sich auf partizipative Ansätze in der Regionalplanung, der Schutzgebietsplanung und –verwaltung und zur Umsetzung umweltverträglicher Landwirtschaft. Der zweite Tag beinhaltete eine Diskussionsrunde zu Berufschancen, Fördermöglichkeiten und Informationsaustausch in Entwicklungszusammenarbeit (EZ), Naturschutz und Wissenschaft.

Prof. Ellenberg eröffnete die Tagung und unterstrich in der Einführung das Akzeptanzproblem des Naturschutzes, trotz der Erfolge der letzten Jahre. Danach ging Prof. Hagedorn (Agrarökonomie, HUB) auf grundlegende Ansätze zur Gestaltung von Agrar-Umwelt-Programmen ein (am Beispiel der Uckermark). Seine Aussage: die Struktur von Umweltproblemen in der Landwirtschaft, die Art der Transaktionen, die Charakteristik der Akteure und das Ziel der beabsichtigten Veränderungen erfordern die Suche nach geeigneten institutionellen Arrangements, welche eine effiziente Zielerreichung erlauben. In Beispielen und Berichten stellten Heide Haug (Dt. Verband für Landschaftspflege DVL, Templin) und Dr. Johannes Hager (Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal), Christian Theel (Landkreis Rügen) und Prof. Emil Dister (WWF-Auen-Institut, Rastatt) die Aspekte von Kooperation und Partizipation im Natur- und Umweltschutz und der Regionalplanung vor. Diese reichen von Ansätzen zum Aufbau regionaler (naturschonender) Wirtschaftskreisläufe und Kooperation zwischen Landwirten und Landespflege (Haug) bis zum umfassenden Regionalplanungskonzept eines ganzen Landkreises (Theel). Der Erfolg eines Projektes hinge dabei vor allem von Einzelpersonen ab (Hager). Auf Rügen bestand die Herausforderung darin, sich gegenseitig stark ablehnende Interessengruppen an einen Tisch zu bringen. Der Erfolg stellte sich ein, da ein Konsens der Konfliktparteien die notwendige Voraussetzung für das Erhalten von EU-Fördermitteln war (Theel). Im Hochwasserschutz hingegen sei die Situation eine andere (Dister): die Bereitschaft von Gemeinden am Oberlauf auf ihren Flächen Hochwasserschutzmaßnahmen (Polderanlagen mit Auenrenaturierung) zuzulassen, sei außerordentlich gering, da diese nur den Städten flussabwärts zugute kämen. Hier fehle es an Einsicht und Solidarität der am Oberlauf ansässigen Bevölkerung, welche das Hochwasserproblem am Unterlauf nicht als das Ihre betrachte.

Am Nachmittag wurden unter der Moderation von Ulrike Garbe (AG Ellenberg) Beispiele zur Thematik aus außereuropäischen Ländern erörtert. Monika Röper (Univ. Eichstätt) erläuterte in ihrem Vortrag die Mängel der Schutzgebietsplanung durch ein Weltbankprojekt in Brasilien. Unter US-amerikanischem Einfluss fände eine starke sektorale Trennung von Agrar- und Umweltprojekten statt. Dies führte zum Übergehen bewährter Konzepte der Regionalentwicklung bei der Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes, was seinerseits mangelnde Akzeptanz bei der ansässigen Bevölkerung hervorrief. Die Voraussetzungen von Entwicklungsländern, Naturschutz gewinnbringend vermarkten zu können, sind sehr unterschiedlich. Dies wurde im Vortrag von Prof. Ellenberg über Namibia geschildert: eine niedrige Bevölkerungsdichte und attraktive Großtiere lassen Naturschutz zu einer profitablen Landnutzungsform werden. Dies trifft nicht überall zu. Es gibt zahlreiche Probleme mit dem Zustand von Schutzgebieten, aber auch die Möglichkeiten der einheimischen Bevölkerung, ihre Interessen äußern zu können und Einkommen aus Schutzbemühungen zu erzielen, sind begrenzt. Diese Probleme wurden im Vortrag von Prof. Müller-Hohenstein (Univ. Bayreuth) mit Beispielen aus Äthiopien, Tansania, Marokko, Indonesien, Chile und Ecuador deutlich. Neue Ansätze der Schutzgebietsverwaltung unter Teilnahme aller Interessengruppen, die zu einer weitgehenden Selbststeuerung der Gebiete und zu einer Entlastung des schwachen Staates führen sollen, wurden von Carsten Kolbe (Berlin) in Costa Rica (Gandoca-Manzanillo) und Ecuador (Galapagos) konzipiert und evaluiert. Hierbei findet das Prinzip „des langen Schattens der Hierarchie“ Anwendung: auf der untersten Verwaltungsebene müssen sich die Akteure einig werden. Ist das nicht der Fall, erfolgt die Weisung von oben und folglich verzichten die vor Ort Handelnden auf ein selbstbestimmtes Management durch Konsens und Kooperation.

Die Probleme der Länder der ehemaligen Sowjetunion sind gänzlich anders strukturiert. Konstantin Kreiser (AG Ellenberg, HUB) berichtete von den Schwierigkeiten in einem Biosphärenreservat um den Tengis-See in Kasachstan. Vor dem Zusammenbruch herrschten für Wissenschaft und Naturschutz durchaus gute Bedingungen, aber die heutige Situation sei sehr schwierig: es sei kein Geld mehr vorhanden, die Menschen wanderten ab. Eine Rückkehr zu alten, traditionellen und umweltverträglicheren Landnutzungsmethoden sei nicht möglich, da diese verlernt wurden und nicht mehr zeitgemäß seien. Im letzten Vortrag des Tages legte Prof. Niekisch (Univ. Greifswald) das Defizit zwischen Schutzkonzepten aus der Ökologie und der tatsächlichen Umsetzung dar: Flächenmangel für Naturschutzmaßnahmen machten eine Integration von Naturschutz in den Flächen außerhalb von Schutzgebieten notwendig, und somit sei auch die Integration des Naturschutzes in die ländliche Regionalentwicklung wünschenswert. Den Abschluss des Tages bildete eine kurze Auflistung der „Lessons learned“ durch Rafael Benz (AG Ellenberg). Diese beinhalteten die These: erstens, dass „Naturschutz nicht nur Teil der Regionalentwicklung ist, sondern selbst Regionalentwicklung darstellt“ und zweitens, dass ungelöste Aspekte, von der Problemwahrnehmung, über Planungs- und Umsetzungsinstrumente (Partizipation, Monetarisierung) bis zur tatsächlichen Zweckerfüllung von Schutzgebieten reichten.

Die Diskussionsrunde am Samstag 25.11. wurde von Dr. Marion Freund (AG Ellenberg) moderiert. Dr. Claus Bätke (GTZ) stellte das Tropenökologische Begleitprogramm (TÖB) der GTZ und andere Vorhaben vor, in denen Naturschutz und Regionalentwicklung kombiniert werden. Klaus Göckler (Neunkirchen) erläuterte das Konzept und die begonnene Umsetzung einer Internet-Plattform zum Wissensaustausch in einem Netzwerk für Naturschutz, EZ und Wissenschaft (NEWNet2000.de) und Reinhart Herzog (Bayr. Akad. für Naturschutz u. Landschaftspflege, Laufen) skizzierte die Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger. In der Abschlussdiskussion wurden verschiedene Probleme angesprochen: Naturschutz muss präziser in der Zieldefinierung werden. Kompromissbereitschaft auf Seiten des Naturschutzes wurde angemahnt, denn die auf die Erde zukommenden Probleme in Form des Bevölkerungswachstums würden bald ein Primat der Ernährungssicherstellung notwendig machen. Es wurde verstärktes Engagement der Praktiker im Austausch mit den Universitäten gewünscht, und zum Abschluss wies Prof. Ellenberg auf eine Fortsetzung der Tagungsreihe am 23./24. November 2001 zum Thema „Ressourcennutzung im Gebirge“ hin.

(Hinweis: dies ist eine Zusammenfassung; ein ausführlicher Tagungsbericht wird über E-Mail und Post Ende Januar 2001 zusammen mit der Adressenliste der Teilnehmer verschickt.)

Erstellt: 18.12.2000